Die wissenschaftliche Gesellschaft Brevitas (e.V.) wurde 2018 gegründet und widmet sich der Erforschung vormoderner Klein­epik. ‚Kleinepik‘ wird dabei als Dachbezeichnung vormoderner Texte verstanden, die sich durch relative Kürze, Prägnanz und die Möglichkeit einer Gesamtrezeption am Stück (etwa einer einzelnen Aufführung, eines einzelnen Leseaktes) auszeichnen. Viele dieser Texte sind inhaltlich im Spannungsfeld zwischen schimpf und ernst angesiedelt. Kleinepik subsumiert entsprechend divergente Textgruppen wie Mären, Bispeln, Schwänke, Wundererzählungen, Legenden, aber auch eher diskursive Formen wie Minnereden, geistliche Bispelreden, Rätsel, Streitgespräche, Sprichwörter etc. Dabei ergeben sich vornehmlich folgende Aktionsräume für Brevitas:

Impulse geben: Regelmäßige Gesellschaft-Tagungen konturieren der Gegenstandsbereich ‚Kleinepik‘ und schaffen neue interpretative Zugänge, die auch auf andere Gegenstandsbereiche der Forschung übertragen werden können. Entsprechend werden auch gezielt Forschungsinitiativen mit einem breiten gegenständlichen wie methodischen Fokus ideell unterstützt.

Vernetzen: Brevitas vernetzt aktuelle Projekte zur Kleinepik, vermittelt Spezialistenwissen und fördert den internationalen und interdisziplinären Austausch. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Vernetzung von Forschung und Lehre und auf der Gewinnung wissenschaftlichen Nachwuchses.

Distribuieren: Die Gesellschaftsmitglieder erstellen und pflegen eine Online-Database zur Kleinepik, die (dynamisch wachsend) Primärtexte, Metadaten und Einzelbibliographien erfasst und Informationen zu aktuellen Forschungsprojekten bereitstellt. Brevitas fördert darüber hinaus auch die Wissenschaftskommunikation mit der Gesellschaft.

Publizieren: Das regelmäßig erscheinende Online-Periodikum Brevitas – Zeitschrift für Klein­epik veröffentlicht Beiträge der Gesellschaftstagungen und anderweitige innovative Aufsätze zur Kleinepik. Darüber hinaus werden weitere Publikationsprojekte für den wissenschaftlichen und allgemeinen Buchmarkt verfolgt.

Gründungsaufruf

Prägnantes Erzählen

Gründungstagung Brevitas – Gesellschaft zur Erforschung vormoderner Kleinepik

Vom 04. bis zum 06. Oktober 2018 fand im Georg-Christoph-Lichtenberg-Haus in Darmstadt die Tagung “Prägnantes Erzählen” statt, die von Friedrich Michael Dimpel, Lydia Merten, Mareike von Müller, Nina Nowakowski und Silvan Wagner veranstaltet und von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert wurde. 

Auf der Tagung wurde das Phänomen der Prägnanz in seiner Bedeutung für vormoderne Kleinepik kritisch diskutiert mit dem Ziel, neue theoretische und methodische Ansätze zur Kleinepik zu entwickeln.

Die Ergebnisse der Tagung werden in Brevitas-Zeitschrift für vormoderne Kleinepik veröffentlicht.

Tagungsprogramm: 

Michael Waltenberger (Keynote): Bedeutungsschwangerschaften: Zerstreute Anmerkungen über die Struktur narrativer Pointierungen

Silvan Wagner: Keimzellen für moralischen Sinn: Prägnantes Erzählen in Johannes Paulis Schimpf und Ernst

Margit Dahm-Kruse: Prägnante Kombinatorik in der Überlieferung – zum poetologischen Potential des Textarrangements in kleinepischen Sammelhandschriften

Michael Schwarzbach-Dobson: Kombination, Argumentation, Variation. Zum Potential prägnanten ‚Neu-Erzählens‘ am Beispiel der Fabel Befreite Schlange, Mann und Fuchs

Anna Brasch: „[D]aß wir […] kein einziges Wörtlein vergeblich einzurücken / umb dem Leser durch einen eytlen Wörter-Pracht nicht einen Eckel zu veruhrsachen“ Zur Profilierung ‚curieusen‘ gegenüber ‚galanten‘ Erzählens im Sammelschrifttum der Frühen Neuzeit [1650 – 1730]

Hans Jürgen Scheuer: Das Martiniloben. Zur Prägnanz der Heiligenvita beim Stricker und bei Boccaccio

Daniel Eder: Prägnanz und Heiligkeit. Narratologische und rezeptionshermeneutische Überlegungen zur Legendarik (am Beispiel der Gangolf-Erzähltradition)

Nina Nowakowski: Personelle Prägnanz. Zur szenischen Zweiheit als Prinzip kleiner Reimpaardichtungen

Rebekka Nöcker: Kriterien der Prägnanz von Sprichwort und Sentenz

Harald Haferland: Wahrscheinlichkeit im Märe

Anna Mühlherr: Prägnanz der Dinge: Die Nüsse und der Entlaufene Hasenbraten

Patrizia Barton: Prägnanz und Intertextualität in der Liebestoderzählung Pyramus und Thisbe

Stefan Abel: Prozesse narrativer Verdichtung in Alexanders von Roes ›Pavo‹ und in den Ausformungen des Stoffes vom ,schlafenden Ritter‘: Le chevalier qui recovra l’amor de sa dame‹ und Moriz von Craûn

Marie-Luise Musiol: Räumliche Verdichtungen. Transgressive Effekte prägnanten Erzählens

Friedrich Michael Dimpel/Martin Hammer: Prägnanz und Polyvalenz – Rezeptionsangebote im Klugen Knecht und im Schneekind

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